Etagen-Salat

Kräuterfarmen bei EDEKA. Foto: Infarm / Merav Maroody

Gemüse aus der Indoor-Farm

Vor drei, vier Jahren waren die ersten Grow-Stationen auf der IPM zu sehen: Gefäße mit integriertem Pflanzenlicht und Zeitschaltuhr für den Hobby-Anbau in den eigenen vier Wänden, gedacht als Verkaufsartikel und ‚Spielzeug‘ für Endverbraucher. Dann kam auch schon Ikea und baute das ‚Indoor Gardening‘ für seine Kunden zum Lifestyle-Programm aus – inklusive Pflanzregale mit eingebautem Pflanzenlicht, Steinwolle-Wurzelkissen, Bimsstein, Dünger und Samensets, und publikumswirksam flankiert von wissenschaftlichen Prüfungen und üppigen Social-Media-Kampagnen.

Kräuterfarmen bei Edeka
Edeka hat die Idee bereits auf die eigene Verkaufsfläche geholt. In 16 Filialen stehen ‚Indoor-Farmen‘ in den Obst- und Gemüseabteilungen. Das sind hell erleuchtete Glasschränke, in denen Kräuter etagenweise in Hydrokultur heranwachsen, bevor sie erntefrisch verkauft werden. Sie stammen von dem Start-Up Infarm in Berlin, das das Konzept 2013 startete und inzwischen rund 50 Indoor-Farmen im Berliner Raum betreibt.

Digital gesteuerter Anbau
Hocheffiziente LED-Lampen, eine ausgeklügelte Sensortechnologie in den Glasschränken und eine Cloud sind die Basis für das Infarm-System, klimatische Bedingungen und Wuchsverhalten der Kräuter im Schrank werden digital überwacht, Nährstoffzufuhr, Wasserhaushalt, PH-Wert, Licht etc. per ‚Fernsteuerung‘ aus der Firmenzentrale heraus geregelt.

800 Salate pro 2 qm
So eine „Farm“ ist in der Lage, auf zwei Quadratmetern und mit sieben Etagen im Monat 1.200 Portionen pestizidfrei angebauter Kräuter oder 800 Salatköpfe á 100 Gramm hervorzubringen, sagt Infarm. Auf professioneller Ebene hat das Indoor-Farming also längst Fuß gefasst und schickt sich an, die gewohnten Lieferketten in Frage zu stellen.

Fotos (1-3): Infarm / diephotodesigner.de

Spart Platz und Ressourcen
Indoor-Farming ist mehr als ein kurzfristiger Trend. Bevölkerungswachstum, Ressourcenverknappung und die Suche nach nachhaltigen Methoden in der Lebensmittel-Beschaffung und -versorgung bewirken, dass das Vertical Farming in mehrstöckigen Gebäuden für die landwirtschaftliche Massenproduktion auf internationaler Ebene als Zukunftstechnologie behandelt wird.

Pflanzenzüchter, Gartenmärkte und eigentlich alle Entscheider der Grünen Branche sollten beizeiten prüfen, ob und wie ihr Geschäftsmodell vom Indoor-Farming berührt resp. vorangebracht werden könnte und ggf. Kooperationen oder Verkaufsstrategien entwickeln.