Im Land der Gräser und Kräuter

By Juli 10, 2018Newsletter

Das Dach von Afrika

Wer an Afrika denkt, dem werden wohl kaum Frost und kalte Stürme in den Sinn kommen. Auf den Hochebenen des Guassa-Plateaus in Äthiopien ist extrem wechselhaftes Wetter jedoch die Realität –  innerhalb von nur einem Tag kann man hier alle vier Jahreszeiten erleben. Seltene Pflanzen und Tiere, aber auch die Menschen haben sich an diese besonderen Bedingungen angepasst.

Paradies für seltene Arten
Richard Petri, Marketing Director bei Selecta One, hat von 2004 bis 2006 in Äthiopien gearbeitet und auch heute zieht es ihn regelmäßig zurück auf das Dach von Afrika. Genauer gesagt auf die Hochebenen des Guassa-Plateaus, wo sich das Land besonders vielfältig zeigt. Denn anders als häufig berichtet, ist Äthiopien nicht nur Wüste und Dürre – allein auf der Guassa-Ebene entspringen elf Quellen. Auf den riesigen Hochplateaus Äthiopiens befinden sich die größten afroalpinen Flächen des Kontinents mit Heidewäldern und Mooren. An den Hängen der 100 km² großen Naturgrasebene wachsen noch einige wenige Nebelwälder, in denen seit Jahrhunderten Wildkaffee geerntet wird. Und dort wo die wärmende Sonne den Boden erreicht, steigt würziger Thymian-Duft auf. Die endemische Art Thymus schimperi ist dafür verantwortlich. Sie wird von der Lokalbevölkerung gesammelt, um sie als Gewürzmittel Tee oder auch Kaffee beizumischen.

Irgendwas blüht immer
Egal zu welcher Jahreszeit, auf der Hochebene blüht es immerzu. „Im November, Januar und April war ich schon dort und wurde jedes Mal überrascht. Kniphofia, Helichrysum citrispinum, Eustoma, Ericaceen, Alchemilla und viele andere Pflanzen, die ich nicht kenne, wachsen in wunderschönen, fast schon gärtnerisch angelegten Gruppierungen.“, erzählt Richard Petri. Und auch wahre Giganten wie die Riesenlobelie (Lobelia rhynchopetalum) sind dort zu finden. Sie wird leicht über 6 m hoch und gedeiht nur hier in Äthiopien. Ein besonders bedeutendes Gewächs ist Festuca abyssinica, ein Verwandter der uns bekannten Blauschwingel. Lokal „Guassa“ genannt gab es der Gegend sogar ihren Namen und ist dort seit fast einem halben Jahrtausend Lebensgrundlage für Mensch und Tier.

Die Region unterstützen
Eine weitere Besonderheit in Guassa ist, dass die Hochebene seit über 400 Jahren von der Bevölkerung selbst nachhaltig geschützt wird. Erst kürzlich wurde das Gebiet als „Community Conservation Area“ offiziell anerkannt. Um dieses empfindliche Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur zu erhalten und auch um davon profitieren zu können, hat die Bevölkerung eine kleine Eco-Lodge für die wenigen Touristen errichtet. Das Schutzgebiet selbst kann mit geführten Maultierausritten bequem „erforscht“ werden. In den Randzonen wird seit kurzem Imkerei betrieben, was Mensch und Natur gleichermaßen hilft und auch der gezielte Anbau von Festuca ist wichtig, um die fortschreitende Bodenerosion zu stoppen. „Ich finde, dass man mehr Menschen von dieser einmaligen Geschichte erzählen muss. Deshalb engagiere ich mich privat zusammen mit Freunden, indem wir Öffentlichkeitsarbeit betreiben und die Naturschutzaktivitäten der Menschen finanziell unterstützen“, beschreibt Richard Petri sein Engagement. So kann für die Menschen in Guassa ein Stück Zukunft wachsen.

Mehr Infos unter www.growmyfuture.eu

Fotos: Richard Petri